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Erinnerungen Heinz Kilian us Boxgrün Nr. 1

Erinnerungen Heinz Kilian us Boxgrün Nr. 1

An Die Zeit vor dem Krieg und die ersten Kriegsjahre kann ich mich nur sehr schwach erinnern. In Erinnerung geblieben ist mir, daß in den Vorkriegsjahren und den ersten Kriegsjahren die „Hutzenabende“ noch gepflegt wurden. Zum „Hutzen“ fanden sich immer abends mehrere Nachbarn, abwechselnd in verschiedenen Häusern zusammen. Hier wurde geklöppelt, und gestrickt und Neuigkeiten ausgetauscht.

Das Klöppeln war auch in den ganzen Kriegsjahren für meine Mutter ein zusätzliches, wenn auch sehr geringes Nebeneinkommen.

Erinnern kann ich mich noch an Weihnachten 1939, an dem ich meine ersten richtigen Skier bekommen habe.

Im August 1941 wurde ich in die Volksschule in Boxgrün eingeschult.
Bis zur Auflösung 1945 hatte ich folgende Lehrer:

Von 08.1941 bis 01.1942 Herr Baier
von 02.1942 bis 01.1943 Herr Voit
von 02.1943 bis 07.1943 Frau Baier
von 08.1943 bis 07.1944 Frau Tobisch
von 08.1944 bis 04.1945 Herr Woitschell

Mein Vater war von Beruf Maurer und wurde 1940 zum Militär eingezogen.

In diesen Kriegsjahren mußte meine Mutter und meine Oma die Familie versorgen. Meine Oma war eine Kräuterfrau, sie sammelte Kräuter gegen alle möglichen Krankheiten und konnte auch eine sehr gute Salbe herstellen. Diese selbstgemachte Salbe war im ganzen Dorf bekannt.

Wir hatten eine Kuh, zwei Ziegen und ein paar Hühner. Alle Erzeugnisse, wie Milch, Getreide, Kartoffeln und so weiter, die den Eigenbedarf überschritten, mußten abgeliefert ordern. Dafür sorgten der Ortsgruppenleiter und der Ortsbauernführer.

Meine Mutter hat oft von der Milch die abgeliefert werden mußte, immer etwas Rahm abgeschöpft (was strengstens verboten war) und daraus Butter gemacht. Diese wurde dann gegen andere Lebensmittel eingetauscht. Einen lenkbaren Schlitten (Bob) den ich im letzten Kriegswinter bekommen habe, wurde auch mit Butter bezahlt. Ebenso unser großes Radio (kein Volksempfänger). Ein weiterer Nebenverdienst in den Kriegsjahren war das Sammeln von Waldbeeren (Blau - und Preiselbeeren) im Herbst. Diese wurden dann an fahrende Händler verkauft.

Während des Krieges waren auch bei den einige Kriegsgefangene (Franzosen) im Dorf. Sie arbeiten tagsüber bei den Bauern und kamen abends in einen Gemeinschaftsraum (bei Familie Zörkler), wo sie von einen Soldaten bewacht wurden. Verpflegt wurden sie bei den Bauern, bei denen sie arbeiteten. Sie durften jedoch nicht mit am gemeinsamen Tisch essen. Die Bewachung wurde später gelockert und dann ganz eingestellt. Unsere Nachbarn (Fam. Zörkler) hatten auch einen Kriegsgefangenen. Er hieß Maurice, wir nannten ihn nur Moritz. Er durfte von Anfang an mit am Tisch essen und gehörte fast zur Familie. Wenn er ein Paket von zu Hause erhielt, fiel für uns Kinder immer ein Stückchen Schokolade mit ab. Die kannten wir bis dahin nicht. An eine traurige Begebenheit mit Moritz erinnere ich mich noch heute. Moritz hatte Zahnschmerzen, die Hausmittel meiner Oma blieben ohne Wirkung, und so durfte er zum Zahnarzt nach Klösterle. Meine Mutter und ich fuhren an diesen Tag zufällig auch mit dem Bus von Pürstein nach Kaaden. Moritz stieg ein, zeigte dem Fahrer seine Papiere und Fahrschein und setzte sich auf einem freien Platz. Kurz nach der Abfahrt schimpften einige Fahrgäste sinngemäß: es sei eine Zumutung mit einem stinkenden Kriegsgefangenen in einem Bus zu fahren. Nach einer kurzen Diskussion mit dem Fahrer mußte Moritz an der ersten Haltestelle wieder aussteigen und den Weg zum Zahnarzt zu Fuß antreten.

Im letzten Kriegsjahr kamen auch Flüchtlinge aus Schlesien und Berlin in unser Dorf. Durch Zwangseinweisungen mußte unsere Oma ihr kleines Schlafzimmer räumen und mit allen in einem Zimmer schlafen, während andere (privilegierte) Familien von diesen Zwangsräumungen verschont wurden. Gegen Ende des Krieges kamen einmal eine Kolonne Sträflinge durchs Dorf. Es waren, wie man später erfuhr KZ-Häftlinge, teilweise nur noch in Lumpen gehüllt. Woher sie kamen und wohin sie gingen, hat man nicht erfahren. Hier hat man auch die unterschiedliche Gesinnung der Bewachter gesehen. Während einige barsch dazwischen gingen, blieben andere Bewachter stehen und warteten bis die Betroffenen das Brot bekamen und etwas Kaffee trinken konnten.

Zurückziehende Soldaten warfen unten an der Hauptstraße ihre Waffen und Munition weg, und wir Kinder schleppten das Zeug nach Hause - und bekamen dafür Prügel von den besorgten Müttern. Ein Schlimmer Unfall bleibt mir in Erinnerung. Wir waren wieder, einmal trotz Verbot, auf Sammeltour. Erich Höll (Weck Erich), der kurz vor mir auf dem Heimweg war, hatte unbewußt eine Steckmine mit aufgesammelt. In der Nähe der Kunzmühle am Ortseingang explorierte diese und riß dem Erich einen Arm und ein Bein; Er starb noch an der Unfallstelle. Eine Frau, die zuerst an der Unfallstelle war, glaubte in den blutverschmierten Bündel mich erkannt zu haben. Was dann bei uns zu Hause los war, kann man sich denken. Von da an waren wir von unseren Sammeltouren geheilt.

Im Mai 1945 starb unsere Oma. Einen Leichenwagen gab es zu Zeit nicht mehr, und so wurde der Sarg auf einem Kastenwagen mit Ochsengespann zum Friedhof nach Wotsch gefahren.

Nach Kriegsende kamen öfters russische und tschechische Soldaten und auch Zivilisten ins Dorf. Dabei wurden manche wertvollen Gegenstände „beschlagnahmt“. Auch unsere Kuh wurde in diesen Jagen mitgenommen. An die genauen Vorgänge kann ich mich aber nicht erinnern. Im Laufe des Frühsommers wurden die jungen Frauen des Ortes abgeholt, und soweit ich mich erinnern kann nach Kladno gebracht und mußten dort in den Hüttenwerken und Fabriken arbeiten.

Die erste Familie die Boxgrün verlassen mußte, war meine Tante Anna Ziener mit ihren beiden Kindern Oskar, 12 Jahre und Herta, 5 Jahre alt. Sie kamen, nur mit kleinen Handgepäck zu einer Sammelstelle nach Aubach. Von dort muten sie mit anderen, zu Fuß über die Grenze nach Oberwiesenthal gehen. In den folgenden Wochen sind meine Mutter und einige Frauen öfters „schwarz“ über die Grenze nach Oberwiesenthal und haben ihnen Lebensmittel hinübergebracht.

Welche Familien in den nächsten Monaten Boxgrün verlassen mußten ist mir nicht bekannt. Unsere Nachbarn Hargl und Feigel waren bei einem Transport im Herbst 1946 dabei.

Ab Herbst 1945 wurde Boxgrün von einem Kommissar Janda verwaltet. Er wohnte mit seiner Sekretärin (eine Deutsche) im ehemaligen Haus meiner Tante Anna. Er war ein leidenschaftlicher Jäger. Meine Mutter mußte das Gemeindeamt putzen und mußte dann in der Folgezeit teilweise auch noch die Ausweisungsbescheide den betreffenden Familien überbringen.

Kurios: Uns selbst brachte sie am Vormittag des 5.12.1946 den Bescheid, daß wir am kommenden morgen um 9.30 Uhr mit max. 20 Kg. Handgepäck zur Abfahrt bereitstehen müssen. Wir wurden mit anderen Betroffenen mit Lastwagen nach Kaaden in ein Sammellager gebraucht. Von dort wurden wir dann an tschechische Bauern im Kreisgebiet verteilt. Im Sommer 1947 wurden wir wieder über ein Sammellager nach Chožov im Kreis Louny gebracht. Meine Mutter mußte hier den Stall mitversorgen und bei der Feldarbeit mithelfen. Meine Schwerter und ich gingen hier zum erstenmal in die tschechische Schule. Meine Schwester besuchte die národní škola in Chožov und ich durfte nach einem halben Jahr zur střední škola in Postoloprty. Im Frühjahr 1950 durften wir dann nach Deutschland ausreisen.

Diskuse

[1]  Christine Schmidt, mail

Ich suche Kontakt zu Heinz Kilian, oder andern Boxgrünern wegen der Häftlinge. Danke

[2]  Kilian, Heinz, mail

Ich bin 65 und in Pürstein geboren. Meine Oma lebte in Boxgrün ist aber schon lange verstorben. Mein Vater hatte eine Schmiede in Pürstein.

[3]  , mail

Kennen Sie vielleicht Frieda Schmiedl. Sie ist auch in Pürstein aufgewachsen

[4]  , mail

Kennen Sie vielleicht Frieda Schmiedl. Sie ist auch in Pürstein aufgewachsen

[5]  Ralf Ziener, mail

Sehr geehrter Herr Kilian, mein Vater sagte mir, meine Familie stamme aus Boxgrün, ich habe nun angefangen Ahnapenforschung zu betreiben. Ich würde mich sehr freuen mit Ihnen in den Mailkontakt auf zu nehmen. Liebe Grüße aus Dortmund Ralf Ziener

[6]  , mail

ja ich kenne Frieda Schmiedel. Das ist meine Oma

[7]  Janda Wilhelm, mail

Hallo Wer weiss denn etwas über Janda Frantisek, Vater und Sohn (?) die in Boxgrün No 16 wohnten. Der Vater (geb. 17.7.1874) war Kutscher, der Sohn ( geb. 1914 )technischer Lehrling?. http://www.portafontium.cz/iipimage/30160119/soap-do_00236_obec-chodska-lhota-1837-1927_0570?x=20&y=193&w=568&h=274 (Jahr 1928 Eintrag 30 und 26.)

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