Česky Deutch

Josef Škrábek: Die gestrige Angst

Der in Prag lebende Autor Josef Škábek berichtet aus einer sehr persönlichen Perspektive über die deutsch-tschechische Nachbarschaft im 20. Jahrhundert.Seine Erinnerungen hat er mit einer Collage aus Dokumenten, wissenschaftlicher Literatur und essayistischen Exkursen angereichert, die dem Leser die ebenso mannigfaltigen wie schwierigen und tragischen Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen vor dem Hintergrund der Europäischen Geschichte nahebringen.
Josef Škrábek wurde 23. 4. 1928 in Waltsch (Valeč) bei Karlsbad (Karlovy Vary) geboren. Seine Mutter war Deutsche, der Vater Tscheche. Das Kriegsende erlebte er auf den Barrikaden des Prager Aufstandes. In Waltsch musste er mit ansehen wie seine einstige deutschen Nachbarn vertrieben wurden.
"Die gestrige Angst" ist bereits in drei Auflagen in tschechischer Sprache erschienen. Die deutsche Ausgabe, für die der ehemalige tschechische Staatspresident Václav Havel ein Geleitwort verfasst hat, erscheint als Koedition zwischen dem Neiss Verlag und dem Verlag Stillus in Brno. Die 2. deutsche Auflage wurde von Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds unterstützt.

Zitate aus Rezensionen

Prager Zeitung 25.07.2007

Škrábek praktiziert einen unermüdlichen Perspektivenwechsel, spürt zu jeder Ansicht die Gegenposition auf, versucht sich in Erklärungen, Analysen, lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, entwickelt philosophische Modelle. In strengster Selbstkasteiung übt er sich lediglich bei der Versuchung, die aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln erfassten subjektiven Wahrheiten zu gewichten, zu bewerten, Urteilen zuzuführen.
Dabei könnte er sich dieses Recht durchaus anmaßen. Der angekündigte Verzicht auf Objektivität und Wissenschaftlichkeit ist nämlich eine maßlose Untertreibung. Vielmehr werden große Teile des Textes, allen voran die ersten Kapitel, solchen Ansprüchen mehr als gerecht. An der sauberen und für den Leser jederzeit transparenten Auswertung einer respektablen Fülle von Quellen könnte, ja müsste sich so manche geschichtliche Publikation ein Beispiel nehmen.
Josef Škrábeks ”Die gestrige Angst” ist ein äußerst wertvoller und von der ersten bis zur letzten Seite lesenswerter Beitrag zur deutsch – tschechischen Verständigung.
Alois Hartl, Marktredwitz

Dresdner Neueste Nachrichten
… Diese weise, zu tiefst humanistische Sicht macht "Die gestrige Angst" gerade auch deshalb sichtbar, weil Skrabek sich nicht auf den 2. Weltkrieg und die ersten Jahre danach beschränkt, er geht zurück zur Ersten Republik und weiter. Stellt Fragen, auch die, die ein im klassischen Sinne geschichtliches Fachbuch nie stellen könnte, … Eine von vielen Techniken des Fragens, des Denkens, die den Zugang des Leser zur Komplexität des Themas, des Buches und zu seiner eigenen Geschichtlichkeit erleichtern. Und spannend macht. Denn "Die gestrige Angst" ist auch literarisch in umfassenden Sinne, also eben auch stilistisch, ein außerordentlicher Glücksfall und ein verlegerisches Glanzstück. Der ruhige Ton des Autors, seine Genauigkeit, seine Klarheit, die niemals in Vereinfachung fällt, seine genauen Recherchen lassen keine Denkfaulheit zu, lösen Vorurteile auf und sind die Basis für Objektivität.
Uta Wiedemann
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FAZ 08.05.2007 Böhmischer Drachenstich

… der fast fünfhundert Seiten starker Band … ist auch eine Collage von Auszügen aus historischen Untersuchungen, aus Dorfchroniken und Augenzeugenberichten, aus geschichtsphilosophischen Überlegungen über das Wesen von Sprachen, Nationen und geographischen Nachbarschaften, aus kulturkritischen Rück- und Ausblicken, sowie Erörterungen religiöser und moralischer Natur.
… Es ist ein gewaltiger Rundumschlag, in dessen Zentrum das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen und ihr jeweiliger Schuldanteil an der böhmischen Katastrophe stehen. … Noch keiner hat sich die eigene und die böhmische Geschichte so innig und ausführlich vom Leib geschrieben wie Škrábek.
… In einem Vorwort empfiehlt dieses Buch kein Geringerer als Václav Havel persönlich „jedem, der gründlicher und ohne Vorurteile Aufschluss und Belehrung über unsere gemeinsame Geschichte finden möchte“. … Es liegt in diesem Buch ein umfassendes, kommentiertes Kompendium der Themen des deutsch-tschechischen Dialogs vor, das – da diese Themen ja bekanntlich nicht außer Streit stehen – dazu bestimmt ist, selbst wieder im Rahmen dieses Dialogs zitiert und zerpflückt zu werden.
… Škrábek bemüht sich, beiden Seiten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Motiviert hat ihn die Erfahrung, dass Sudetendeutsche und Tschechen nicht wissen oder übersehen, was andere Tschechen und andere Sudetendeutsche eins der jeweils anderen Seite angetan haben.
Franz-Peter Schwarz

Zeitschrift Das Gymnasium 3/2007

In seinem Buch werden nach einem Geleitwort von Václav Havel die Geschichte des tschechoslowakischen Staates in den Abschnitte „Unglückliche Anfänge“, „Von den Problemen über die Katastrophe“, „Irrungen und Wirrungen“ sowie „Odsun und Vertreibung“ behandelt. Die Wiedergabe einer Rede am 12. Februar 1995 von Václav Havel leitet zu dem Kapitel „Die Versöhnung“ über.

Der Autor versucht in seinem Werk, das nach drei tschechischen Auflagen … damalige gegenseitige Ängste der Deutschen und Tschechen darzustellen, falsche Vorstellungen auf beiden Seiten abzubauen, gegenseitig Verständnis zu wecken und einen Beitrag zur Versöhnung zu leisten. Der Text ist aus einer persönlichen Perspektive über deutsch-tschechische Nachbarschaft abgefasst. Seine Erinnerungen sind mit einer Collage aus Dokumenten, wissenschaftlicher Literatur und essayistischer Argumentation angereichert, die dem Leser die mannigfaltigen wie schwierigen und tragischen Beziehungen vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte nahe bringen. … Das Buch ist jedem zu empfehlen, der gründlich und vorurteilsfrei Aufschluss über die gemeinsame Geschichte finden will. Es gehört in die zeitgeschichtlichen Abteilungen, vor allem von Schulbibliotheken. Auch für Politiker und Wirtschaftler, die in diesem Land aktiv sind, ist die Lektüre wertvoll.
Dr. Alois Lanzl, Schrobenhausen

Eine Gegenstimme zu der Rezension des Dr. A. Lanzl. Im ERZIEHERBRIEF Juli 2007 Herausgeber: Pädagogischer Arbeitskreis Mittel- und Osteuropa, Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Lehrer und Erzieher e. V. lehnt der Autor R.G. in seinem Artikel Im „Klartext“ - Über den Umgang mit tschechischen Lügen und Halbwahrheiten lehnt das Buch scharf ab … Im übrigen sind die deutschen Schulbibliotheken mit so vielen Millionen „volkspädagogischen“ Büchern gespickt, dass wir nicht noch eines über die tschechische „gestrige Angst“ brauchen.

ACADEMIA – Zeitschrift des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen 6/2007
Gegenseitige Verletzungen aus der Vergangenheit und ihren geschichtlichen Hintergrund erst zu nehmen und aufzuzeigen, um daraus zur Verständigung beizutragen, ist das Anliegen von Josef Skrabek in seinem Buch „Die gestrige Angst“.
In einer weiten Reflexion über die Zeit zwischen 1918 und 1945 versucht er im ständigen Wechsel der Perspektive eine Gegenüberstellung tschechischer und deutscher Sichtweisen der Ereignisse. …Dabei schützt er weder seine tschechischen noch seine deutschen Leser vor unangenehmen Tatsachen. …So will und kann sein Buch auf seine ganz spezifische Weise zur Versöhnung von Tschechen und Deutschen beitragen. Es ist mit seinen Zeitzeugnissen von großer historischer Wichtigkeit. Es eignet sich sehr gut für Schule und Erwachsenenbildung.
Karl-Werner Goldhammer (Th), Bayreuth
Hugo Fritsch, Sudetenpost (SL-Österreich) 4.11.2004 rezensierte die tschechische Auflage
Ein deutscher Leser wird merken, dass er aus der Sicht eines Tschechen schreibt und dennoch wird ihm auffallen, dass er stets so objektiv wie möglich die Worte wählt.

Ota Filip Neue Passauer Presse 24.5.2007

Für tschechische Historiker… ist Škrábeks Buch eine zwar interessante, jedoch zu sehr von seiner eigenen Biographie abhängige Schilderung der tschechischen Zeitgeschichte,…
Einige führende tschechische Intellektuelle, Journalisten und Politiker, begrüßten das Buch als eine Art von Befreiung aus den seit Jahren zwischen Tschechen und Sudetendeutschen festgefahrenen Diskussionen …
…Josef Škrábek, ist kein erfahrener Erzähler, sondern ein Mensch, der leidenschaftlich, ab und zu auch verbissen und mit rücksichtlosen Rundumschlägen auf seine Art und Weise die Wahrheit als Voraussetzung für die Versöhnung sucht. Und die Wahrheit über das Scheitern der tschechisch-sudetendeutschen Zusammenlebens, die Škrábek in seinen Buch tatsächlich gefunden hat, trifft genau so schmerzlich die Sudetendeutschen und ihre tragischen Verfehlungen in der Nazizeit, wie auch die Tschechen…
Dennoch ist dem Autor gelungen, ein großartiges Buch zu schreiben: Škrábeks Art seines kakophonischen Erzählens und wie er seine Lebenserfahrungen, persönliche Tragödien und Katastrophen, mit der zeitgleich mit seinen Schicksalsjahren verlaufenden großen Geschichte und mit ihrer Unbarmherzigkeit konfrontiert und zu erklären versucht, ist bei aller Unausgewogenheit beeindruckend, ja faszinierend.
Seine eigenartige Ehrlichkeit, die nur seine Meinungen und Standpunkte akzeptiert, zwang ihm nicht nur alles über seine Erfahrungen mit den von Bazillus des Nationalsozialismus angesteckten Sudetendeutschen, sondern auch über seine eigenen Landsleute, die sich bei der gewaltsamen Vertreibung der Deutschen im Frühling und im Sommer 1945 nicht mit Ruhm befleckten, zu erzählen. Škrábes „Die gestrige Angst“, ist eine Geschichte einer europäischen Tragödie, ein Bericht eines Menschen, den die tschechisch-sudetendeutsche Geschichte fürs ganze Leben traumatisiert hat. Das Buch ist ein erschütternd überzeugendes Bild des 800- jährigen tschechisch-sudetendeutschen Zusammenlebens und ihres Endes.

Der Sudetenbote 9/2007
… Škrábek geht in die Zeit der Habsburger zurück. Dabei beleuchtet er die Konflikte zwischen den Nationalitäten. … Auch setzt sich Škrábek intensiv mit den Kapiteln „Vertreibung“ und „Beneš“ auseinander. Dabei enthüllt er die Geschichte als die „Pathologie der Politik“. Zeitzeugen, die aus seiner Heimat Waltsch vertrieben wurden kommen zu Wort. Das letzte Kapitel befasst sich mit dem Thema „Versöhnung“. … Škrábek zeigt, dass es weder eindeutige Antworten, noch Einstellungen zum Thema Vertreibung gibt, und appelliert nicht nur an die Tschechen, sondern auch an die politischen Vertreter der Sudetendeutschen.
Josef Škrábek hat mit seinem Werk einen mutigen Schritt gewagt. Das Buch sollte von jedem gelesen werden, der sich objektiv mit der Geschichte befasst und sich eine eigene Meinung bilden will. Es eignet sich genauso gut als Gesprächsgrundlage bei Diskussionen mit dem Autor im Rahmen der deutsch-tschechischen Veranstalltungen.
Dr. Pavla Tišerová/Adolf Wo

Stimmender der Leser

Fasziniert haben mich
* das Miteinander von persönlich erlebten Geschichten und ereigneter Geschichte
* Die detaillierte Schilderung von Zusammenhängen, Hintergründen, Politischen und Menschlichen
* Die Ausgewogenheit in der Sicht und Beurteilung von Vorgängen und den handelnden Personen und Vereinigungen
* Die sympathische Offenheit und kritische Distanz.

Es ist ein Buch, das es weiter zu empfehlen gilt für alle, die nicht kurzsichtig denken und entscheiden, sondern denen bewusst ist, dass alles in und um uns ständig einem Wachstums-, Entwicklungs- und Reifungsprozess unterworfen ist.
KEB –Kath. Erwachsenenbildung
Im Landkreis Freyung-Grafenau e.V.
- Bildungszentrum „Die Brücke“ –
Alois Seidl, Geschäftsführer

Daniel Jetel Lousanne –Schweiz
- Der Autor macht sowohl die tschechische, als auch die (sudeten)deutsche Seite mit wenig bekannten Ansichten bzw. Annahmen der Gegenseite bekannt. Schon nur durch diese Aufklärungsarbeit fördert er Respekt für die Gegenseite und Verständnis für deren Positionen.
- Der Autor stellt zu vielen kontroversen Themen die richtigen kritischen Fragen und redet sowohl den Deutschen als auch den Tschechen ins Gewissen.
- Der Autor macht auf einige oftmals vernachlässigte Tatsachen aufmerksam, beseitigt falsche Annahmen und rückt einige hist. Umstände ins rechte Licht.
Hugo Fritsch – Buchautor, Rettenschöß, Niederndorf, Österreich

Auch der sachliche Teil wirkt durch die Beispiele aus dem Leben und Leiden des Autors und auch der Sudetendeutschen sehr vertraulich und glaubwürdig. Sein Schlüssel dazu: Mitleid mit Leiden und Verständnis für Irrtümer beider Seiten.
Der außerordentliche Erfolg dieses Buches besteht, unter vielen anderen in dem, dass sich es nicht um ein Buch handelt, welches nur durch Lesen anderer Bücher entstanden ist.
*
Die „Gestrige Angst“ ist das Buch eines Tschechen, der es seinem tschechischen Empfinden zu verdanken hat, dass die Vermittlung deutscher Stand- und Gesichtspunkte sowie das Schicksals vieler Deutschen von den tschechischen Lesern mit Verständnis wahrgenommen wurde.
­­­­­­­­­­­­­Herbert Kraus, 95695 Mähring, hat seit 2005 mit dem Autor über sehr vieles Meinungen getauscht und ist, leider, im Sommer 2007 gestorben.
„Alles in Allem hat mich Ihr Buch traurig gemacht. Warum habe ich bisher noch keine derartige Zusammenstellung verschiedenster Aspekte rund um die Vertreibung von (sudeten)deutscher Seite gelesen? Oder habe ich es nur übersehen?“
Peter Glaßmann, Berlin 29.01.2007

Lieber Herr Škrábek,
jetzt habe ich ein schönes langes Wochenende der Lektüre hinter mir, und ich berichte Ihnen gern, mit welch großem Interesse (wenn der Stoff nicht so viel Tragisches beinhaltete, würde ich gern sagen: mit welchem Vergnügen) ich die ersten Teile Ihres Buches gelesen habe.

Welche Arbeit, welche Recherche! Vor allem aber: Welche Erlebnisse. Erlebnisse, die auf allen Seiten noch heute lebendig (und schmerzlich) sind und die ohne Leute wie Sie und ohne solche aufgewendete riesige Mühe verloren zu gehen drohen, ehe sie erst einmal recht ins Bewusstsein einer hör-unwilligen, vergessensfreudigen Öffentlichkeit geraten. Sie haben sich vielleicht eine undankbar umfangreiche, aber gerade darum sehr dankenswerte Aufgabe gestellt. Seien Sie gepriesen!

Walter Hohlweg, Regensburg schrieb 30.01.07, dem Verleger:
„Mit Ihrem Buch Die gestrige Angst von Josef Skrabek ist Ihnen ein gleichermaßen bedrückendes wie hoffnungsvolles Werk gelungen.
Das einzige, was zu bemängeln – und vielleicht in einer Neuauflage zu verbessern – wäre, ist das Fehlen einer Landkarte von Nordwestböhmen sowie die doch vorhandenen Druckfehler!“
Vanessa Hünkemeier, Bergstrasse 28b, 31655 Stadthagen schrieb 03.02.2007
… seit kurzer Zeit lese ich das wunderbare Buch "Die gestrige Angst" von Josef Skrábek. Ich bin absolut begeistert. Da meine Vorfahren väterlicherseits aus Kadan (Kaaden) und den umliegenden Ortschaften stammen und ich sozusagen sudetendeutsche Vorfahren habe, hat mich die Geschichte der böhmischen Länder immer sehr interessiert. Nun endlich scheine ich ein Buch gefunden zu haben, mit dem der Autor nicht auf den eigenen Vorteil bedacht ist oder auf das Erinnern an alte Zeiten. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass es Herrn Skrábek um das gemeinsame Aufarbeiten und Verstehen geht. Er öffnet sozusagen Türen, durch die alle, Tschechen, Deutsche, Slowaken usw. gleichermaßen gehen können. Dafür bin ich sehr dankbar.
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Ein Buch, das den Schlaf raubt

Von Kristina Jurosz

Vor nicht allzu langer Zeit hat die Deutsch-Tschechische
Gesellschaft Bayreuth im Historischen Saal des Kunstmuseums
in Bayreuth die 2. Auflage des Buches „Die gestrige Angst“ präsentiert.
Der tschechische Autor Josef Škrábek, ein achtzigjähriger
hochaktiver Mann, hat das lauschende Auditorium, darunter
auch der tschechische Konsul für politische Angelegenheiten
aus dem Münchner Generalkonsulat, Ivo Losman, mit seinen Ausführungen und kurzen Lesekostproben zum Nachdenken gebracht, was sich in der anschließenden "Fragestunde" des Publikums widerspiegelte.
Škrábek hat bereitwillig seinen reichen geistigen Fundus, der im direkten Zusammenhang mit dem Inhalt seines Buches gestanden ist, eröffnet, so daß keine der im Laufe des Abends gestellten Fragen unbeantwortet blieb.
Das Buch, das als „Essay“ bezeichnet wird, geht mit bestens recherchiertem historischen Material der wechselvollen Geschichte von Tschechen und Deutsche vor, während und nach dem 2.Weltkrieg um.
Dabei verblüfft es nicht, nachdem der Autor einer gemischten Familie entstammt – Vater war Tscheche, Mutter Deutsche, daß auch weniger bekannte, von manchen Historikern, Politikern
und Mediatoren bewußt "vergessene", aber nachgewiesene
Tatsachen, in diesem Buch vorkommen.
Von sich kurz erzählend, sagte Skrábek, daß er vom Vater
die Nationalität und von der Mutter den Glauben übernommen
hat. Geboren wurde Skrábek im deutschsprachigen Gebiet in Waltsch bei Karlsbad, heute Karlovy Vary, was später als Sudetenland zählte. Den Krieg und dessen Ende erlebte er in Prag, das auch in seinem weiteren, je nach politischen Verhältnissen, wechselvollen Leben zum Mittelpunkt wurde. Das Studium durfte er nicht beenden und wurde wegen angeblicher Beteiligung an einer „Verschwörung gegen den Sozialismus“ verhaftet, verurteilt und ins Gefängnis gesteckt. Nach zwei Jahren wurde er amnestiert und arbeitete als Schlosser in einer Prager Fabrik. Als Redakteur durfte er erst in der Zeit des Prager Frühlings kurze Zeit tätig sein.
Eigene Erlebnisse aus der Zeit der Vorkriegsvorbereitungen des Nationalsozialismus und der Zeit des nach dem Krieg antretenden Sozialismus mit der Vertreibung der Deutschen aus dem CSR-Gebiet verarbeitete er in seinem Buch so realistisch und ohne Emotionen, da man beim Lesen das Gefühl hat, selbst dabei gewesen zu sein. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, die entsprechende Neugierde wecken, wie es weitergeht und welche noch nicht bekannte Informationen auf der nächsten Seite warten.
Der Leser stellt sich automatisch die Frage welche bislang
vertrauliche Akten er noch vorlegen wird.
Der permanente Wechsel von Analysen der historischen Fakten zu persönlich Erlebtem, über Aussagen von Zeitzeugen, mit Hauch von Philosophie bis zur Satire, von echter Wissenschaft zum gewöhnlich Alltäglichen, das alles macht diesen Buch „Die gestrige Angst“ nicht nur sehr lebendig und spannend, sondern auch liebenswert trotz der Schrecken, die es beschreibt. Einfach lesenswert, weil sachlich und glaubwürdig.
Die gekonnte, wohl dosierte Mischung aus Geschichtlichem mit dem selbst Erlebten, das Škrábek auf besondere Art mit dem Zukünftigen verknüpft, ist für den Leser ein Erlebnis.
Das macht den Autor zum Visionär. Daß viele Historiker, einer vom anderen, einige Fakten abschreiben wie genaue Daten, Orte und Namen, ist bekannt. Aber das Leben eines Menschen während des Lesens miterleben zu können, der so faszinierend schreiben kann, daß man am Abend sein Buch nicht einfach schließen kann, das ist, mit Verlaub, wie mit einem spannenden Kriminalroman, den man zu Ende lesen muß, selbst wenn er ihm seinen Schlaf raubt.
Nach so einem literarischen Genuß, wo sich seltene Objektivität
mit erstklassigen Recherchen paart, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob das damalige Geschehen in Europa etwas anderes war als nur ein böser Massenkrimi? Denn kein Schriftsteller hätte sich etwas Schlimmeres aufgrund von historischen Tatsachen je ausdenken können.
Skrábek beschönigt nichts, nimmt für keine der Seiten Partei und läßt keinen Zweifel aufkommen, daß seine Sachlichkeit ein wertvoller Beitrag für die Verständigung der „ewig zerstrittenen“ Völker ist und zugleich wertvoll für das friedliche, verständnisvolle, tolerante Leben in Europa.
Skrábeks Buch ist es ein Geschenk für alle, die wissen wollen,
besser gesagt, sollen, wie es wirklich war! Ein „Lehrbuch“ der neueren Geschichte, über die die Einen sehr wenig wissen und die Anderen verklärte Ansichten haben.
Und vor allem ein Buch, das Lösungen beinhaltet.

Josef ŠKRÁBEK „Die gestrige Angst“ – II. Auflage
- ISBN 978-80-87122-01-3 und ISBN 978-3-940310-21-7,
erschienen im Neisse Verlag,
D 01067 Dresden, Ostra-Allee 25, 940310-21-7

Ein Buch, das den Schlaf raubt

http://www.eurojournal.info/>
letzte Nr. 2008/2 wählen und dann Seite 73

Diskuse

[1]  Herbert Kraus, mail

Wer hat eigentlich die Texte in der Buchbesprechung "Josef Skrabek - Die gestrige Angst" zusammengestellt? Wäre schon interessant, zu erfahren, wer mich 2007 hat "sterben" lassen. Gruß von einem noch Lebenden Herbert Kraus

[2]  Peter Kraus, mail

Ich kann bezeugen, daß Herbert Kraus lebt. Peter Kraus, ein Cousin ersten Grades.

[3]  Hugo Fritsch, mail

Ich war sehr erstaunt, daß ich meine damalige Rezension vom 4.11.2004 in der Sudetenpost über die tschechische Ausgabe aus der Sicht eines Tschechen geschrieben habe, wo ich seit meiner Geburt 1933 in Brünn Deutscher war und auch bin. Ich habe oft mit Skrabek die deutsche und die tschechische Sicht diskutiert. Jeder hat dem anderen "seine Sicht" gelassen und das ist bereits völkerverbindend. Hugo Fritsch

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