Schmiedeberg
Kovářská
Genius lociWenn man von Komotau aus über die Gebirgsstraße in Richtung Keilberg fährt, rechnet man nicht mit der Existenz eines Städtchens wie Schmiedeberg. Während der Fahrt über den Bergkamm kommt man an so vielen verschwundenen Ortschaften (auch an der Stadt Preßnitz) vorüber, dass man schon die Hoffnung verliert, es könnte hier noch eine Gemeinde bestehen geblieben sein. Die Stadt liegt nicht an der wichtigsten Kammstraße, so dass man sie leicht übersehen kann. Den Abstecher nach Schmiedeberg sollten Sie sich aber gönnen. Schon allein, um Ihre Meinung zu revidieren — nicht alles hier wurde dem Erdboden gleichgemacht. Irgendwo in diesen Bergen leben auch noch Menschen. Schmiedeberg ist vom Stadtbild und der Architektur her nicht die Liebe auf den ersten Blick. Schön ist aber seine Lage inmitten der Berge. Interessant macht die Stadt auch die Tatsache, dass sie einer der wenigen Orte ist, wo so hoch in den Bergen über 1000 ständige Einwohner leben, die hier arbeiten, sich der Vereinsarbeit und der Kultur widmen und sich aktiv für die Geschichte ihres Ortes interessieren. In diesem Bewusstsein werden Sie Schmiedeberg auf Ihren Streifzügen durch die Umgebung der Stadt ebenfalls lieb gewinnen.
Die unter der Oberfläche verborgenen Mineralvorkommen ermöglichten vielen abgelegenen Orten eine einzigartige Blüte, in Gebieten, wo man keine Stadt erwarten würde. Zu diesen Orten gehört auch Schmiedeberg. Die Geschichte der Besiedlung des Erzgebirges ist so lang und vielfältig, dass man hier bis 1945 hinter jedem Hügel, selbst im dichtesten Wald, eine Ortschaft finden konnte. Durch die Zerstörung des Grenzgebietes nach 1945 verschwanden Gemeinden, die Städte schrumpften und nach dem Waldsterben im Erzgebirge aufgrund der Umweltbelastungen in den 80er Jahren verschwanden auch die Bäume. All diese Schicksalsschläge hat Schmiedeberg überlebt und kann sich nun der Verschönerung des Stadtbildes widmen.
Lage
Schmiedeberg ist sehr schön gelegen. Es befindet sich in einem flachen Tal, in dem das Städtchen vor dem Wind und den Blicken schnell vorüberfahrender Besucher geschützt ist. Wie die meisten Ortschaften im Grenzgebiet wurde Schmiedeberg als sog. Straßendorf gegründet. Dennoch war und ist es ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Dafür, dass es sich nur in einem einzigen Tal erstreckt, gibt es verhältnismäßig viele Straßen, die hierher führen. Der Ort hatte eine direkte Verbindung zu allen umliegenden Ansiedlungen: Weipert, Pleil, Preßnitz, Kupferberg, Böhmisch Hammer und Zwittermühl. An diesem intakten dichten Straßennetz kann man ablesen, was für eine zentrale Bedeutung Schmiedeberg früher für das Gebiet hatte. Von den Weiden oberhalb der Schmiedeberger Abfahrtspiste aus können Sie das Panorama der zwei höchsten Berge des Erzgebierges betrachten. Vom nahe gelegenen Schmiedeberger Spitzberg aus hat man einen herrlichen Rundblick.
Ortsgründung
Der Ort wurde bereits im 14. Jahrhundert am Schwarzbach gegründet. Aus einer Handvoll Hammer- und Eisenerzbergwerken entwickelte sich eine Stadt, die 1910 über 4000 Einwohner zählte. In den meisten Jahrhunderten beeinträchtigten jedoch Kriege, Hungersnöte und durchziehende Heere den Wohlstand des Städtchens Schmiedeberg. Im Torfmoor oberhalb von Schmiedeberg wurde 1641 das schwedische Herr geschlagen. Die vom Schlachtfeld flüchtenden Soldaten versanken im Moor. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde hier Anfang des 20. Jahrhunderts ein Denkmal errichtet und man fertigte eine bronzene Gedenktafel an. Die Förderung und vor allem die Verarbeitung von Eisenerz war bis Anfang des 19. Jahrhunderts die wichtigste Erwerbsquelle. Den Rückgang der Förderung versuchten die Einheimischen durch die Herstellung von Streichhölzern, Samt, Garn und Zwirn auszugleichen. Der größte Betrieb in der Stadt war Kalls Fischkonservenfabrik.
Die Luftschlacht über Schmiedeberg
Während des 2. Weltkriegs ereignete sich über Schmiedeberg eine bedeutende Luftschlacht. Die Einheimischen müssen sehr erschrocken gewesen sein, als am 11. 9. 1944 vom Himmel brennende Flugzeugteile direkt auf die Stadt herabfielen. Der hintere Teil eines Flugzeugs traf sogar das Schulgebäude. Dieses Ereignis war der Anlass dafür, dass viele Jahre später ein Museum entstand, das der Luftschlacht über dem Erzgebirge gewidmet ist, und es ist vor allem der Grund für ein großes Treffen von Kriegsveteranen der Luftwaffe. In diesem Jahr fand es bereits zum 13. Mal statt. Die Hauptstraße und der Marktplatz von Schmiedeberg sind am Jahrestag der Schlacht voller Menschen und Militärtechnik und es sind sogar Zeitzeugen anwesend, die unmittelbar an der Schlacht beteiligt waren. Der Besuch dieser Veranstaltung ist wärmstens zu empfehlen. In das Erzgebirgsstädtchen kommen dann tatsächlich viele Menschen aus der ganzen Welt. Diese schöne Tradition ist in erster Linie ein Verdienst von Dr. Jan Zdiarský, der seine gesamte Freizeit der Rekonstruktion der Schlacht und den Beziehungen zu den Beteiligten widmet.
Die Entwicklung nach dem Krieg
Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der Aussiedlung der Deutschen kam es in Schmiedeberg zu einem starken Bevölkerungsrückgang. Seit den 60er Jahren schwankt die Einwohnerzahl um 1400. Nach der Auflösung des Armeegeländes in den 60er Jahren und der Flutung der Stadt Preßnitz und der benachbarten Gemeinden begann Schmiedeberg dennoch wieder zu wachsen und man baute neue Wohnhäuser. Außerdem wurde Schmiedeberg Erholungsort. Es erhielt eine Abfahrtspiste und eine elektrische Straßenbeleuchtung. In den 80er Jahren wurde der Wald in der Umgebung der Stadt durch giftige Emissionen zerstört und Schmiedeberg war lange Zeit von toten Bäumen umgeben, was dem Tourismus nicht gerade förderlich war. Heute aber nimmt das Grün an den Hängen oberhalb des Ortes wieder deutlich zu, es wächst hier ein neuer Wald.
Die aktuelle Situation
Gegenwart und Zukunft von Schmiedeberg sind dagegen weniger glanzvoll. Die wirtschaftliche Situation und das Interesse der Bewohner an der Vergangenheit und der Kultur des Ortes regenerieren sich nicht so schnell wie die Natur. Vor allem geschieht das nicht von selbst. Die Gemeinde versucht, der Abwanderung Einhalt zu gebieten, indem sie die sozialen Dienste und die Gesundheitsversorgung ausbaut. Mehr kann sich die Gemeinde vorerst leider nicht leisten. Der Handel mit der vielleicht noch ärmeren deutschen Seite des Erzgebirges floriert nicht, und ebenso wie im nahe gelegenen Weipert gibt es auch hier dauerhaft eine hohe Arbeitslosenrate.
Die Urlauber fühlen sich in Schmiedeberg jedoch wohl. Der Grund, weswegen sie hierher fahren, sind nämlich nicht die Errungenschaften der Zivilisation, sondern es ist die geheimnisvolle „traurig-schöne“ Natur des Erzgebirges. Das Ziel eines zufriedenen Lebens ist für die Gemeinde Schmiedeberg noch weit entfernt, aber der Weg führt in die richtige Richtung. Die Unterstützung des Treffens von Kriegsveteranen und Öffentlichkeit durch das Gemeindeamt ist ein schöner Anfang.
Wir hoffen, dass eines Tages ein weiterer Grund für Wohlstand und Aufschwung „vom Himmel“ auf Schmiedeberg herabfällt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man die Hände in den Schoß legen und warten sollte. Man muss etwas dafür tun, dass sich ein geschickter Unternehmer in Schmiedeberg niederlässt. Wichtig ist aber auch zu wissen, dass das Interesse an der Vergangenheit nicht Desinteresse an der Gegenwart bedeutet, sondern feste Wurzeln, eine Grundlage und ein Bewusstsein für die gegenwärtige Entwicklung auszubilden. Eine Entwicklung, die auf der Unkenntnis der Ortsgeschichte basiert, nimmt meist kein gutes Ende.






